Geschäftsbericht 2013

Wirtschaftsbericht

F&E-Aufwand1
in Mio Euro
2009
396
2010
391
2011
410
2012
408
2013
415
1Inklusive Restrukturierungsaufwendungen: 13 Mio Euro (2009),
8 Mio Euro (2010),
14 Mio Euro (2011),
2 Mio Euro (2012),
1 Mio Euro (2013).
F&E-Aufwand nach Unternehmensbereichen

Fritz-Henkel-Preis für
Innovation 2013

Forschung und Entwicklung

Die Aufwendungen des Henkel-Konzerns für Forschung und Entwicklung betrugen im Berichtsjahr 415 Mio Euro (bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen: 414 Mio Euro) nach 408 Mio Euro (bereinigt: 406 Mio Euro) im Jahr 2012. In Relation zum Umsatz haben wir 2,6 Prozent (bereinigt: 2,6 Prozent) für Forschung und Entwicklung aufgewendet (2012: 2,5 Prozent, bereinigt: 2,6 Prozent). Die erfolgreiche Umsetzung unserer „Open Innovation“-Strategie, die Fremdvergabe von Projekten sowie die Verlagerung von Ressourcen in Richtung Wachstumsmärkte führten zu einer gestiegenen Effizienz und veranschaulichen unseren kontinuierlichen Fokus auf Innovationen. Unsere Innovationskraft in den Wachstumsmärkten stärkten wir darüber hinaus durch Eröffnungen von vier Forschungs- und Entwicklungsstandorten in Indien, Südafrika, Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie durch den signifikanten Ausbau des Standorts Russland.

Ein wesentlicher Teil unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten findet statt in den Bereichen Polymer- und Grenzflächenchemie, Biotechnologie, Materialwissenschaft, Oberflächenbehandlung, Prozesstechnologie und neue Verpackungen. Diese Aktivitäten sind relevant für alle Unternehmensbereiche von Henkel. Wie im Jahr 2012 waren etwa die Hälfte der gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung Personalkosten.

Die Forschungs- und Entwicklungskosten haben wir vollständig als Aufwand gebucht; es gab keine Entwicklungskosten, die nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) in der Bilanz aktiviert wurden.

Im Jahresdurchschnitt waren rund 2.600 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung beschäftigt (2012: 2.650). Dies entspricht 5,6 Prozent der gesamten Belegschaft. Der Erfolg unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten basiert auf den Fähigkeiten unserer hoch qualifizierten Mitarbeiter. Die Teams bestehen aus Naturwissenschaftlern – überwiegend Chemikern –, Materialwissenschaftlern sowie Ingenieuren und Technikern.

F&E-Kennzahlen
2009 2010 2011 2012 2013
F&E-Aufwand1 (in Mio Euro) 383 383 396 406 414
F&E-Aufwand1 (in % vom Umsatz) 2,8 2,5 2,5 2,6 2,6
Mitarbeiter2 (durchschnittlich) 2.750 2.650 2.650 2.650 2.600

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Ausgewählte Forschungs- und Entwicklungs-Standorte

Open Innovation

Unsere Innovationen speisen sich aus internen und externen Beiträgen. Deshalb kommt dem Konzept „Open Innovation“ nach wie vor eine hohe Bedeutung zu. Die Aktivitäten zur Einbindung externer Partner wie Universitäten, Forschungsinstitute oder Lieferanten in viele unserer großen Projekte haben wir entsprechend intensiviert.

Die folgenden Beispiele zeigen den Erfolg, den wir durch unser „Open Innovation“-Konzept erreicht haben:

  • Unser Rohstofflieferant Evonik erhielt von uns den „Best Innovation Contributor Award 2013“ für die Entwicklung einer neuen, hocheffizienten Silikonverbindung, die einen einzigartigen Weichgriff in Wäschenachbehandlungsmitteln ermöglicht. Der patentierte Inhaltsstoff erlaubt eine ressourceneffiziente Formulierung mit einer signifikant verbesserten Leistung. Gleichzeitig wurde die Parfümfixierung auf den Textilien deutlich gesteigert.
  • Für seinen Innovationsbeitrag zu einem neuartigen Antifalten-Wirkstoff natürlichen Ursprungs haben wir unseren Rohstofflieferanten BASF mit dem „Best Innovation Contributor Award 2013“ ausgezeichnet. Dieser innovative Bio-Wirkstoff stammt aus der Rinde des südamerikanischen Quassia-Baums und bewirkt eine sichtbare Faltenreduktion, die in mehrfachen In-vitro- und In-vivo-Studien belegt werden konnte.
  • Die Zusammenarbeit mit Professor Markus Buehlers Labor für atomistische und molekulare Mechanik (LAMM) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, Massachusetts in den USA, ermöglicht uns die Computer-Modellierung neuartiger Polymer-Strukturen. Mithilfe eines speziellen Computerprogramms können Experimente an Polymeren virtuell nachgestellt werden, die nur sehr schwierig und zeitaufwendig im Labor durchführbar wären. Somit können neue Polymer-Formen für bestimmte Eigenschaften identifiziert werden.

Weltweit müssen Wachstum und Lebensqualität entkoppelt werden von Ressourcenverbrauch und Emissionen. Unser Beitrag hierzu liegt in der Entwicklung von innovativen Produkten und Prozessen, die bei gleicher oder besserer Leistung immer weniger Ressourcen verbrauchen. Daher gehört zu unserem Selbstverständnis auch der Anspruch, dass alle neuen Produkte in mindestens einem unserer sechs definierten Fokusfelder einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Die Fokusfelder sind systematisch in unserem Innovationsprozess verankert. Das heißt, unsere Forscher müssen aufzeigen, welche konkreten Vorteile ihr Projekt in Bezug auf Produktleistung und Mehrwert für die Kunden, Ressourceneffizienz sowie gesellschaftliche und soziale Kriterien bietet. Dabei konzentrieren wir unsere Anstrengungen auf solche Innovationen, die Produktleistung und Qualität mit der Verantwortung für Mensch und Umwelt kombinieren.

Lebenszyklusanalysen unserer wichtigen Produktkategorien und unsere langjährige Erfahrung im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens helfen uns, bereits während der Produktentwicklung zu bewerten, wo in den verschiedenen Produktkategorien ein Großteil der Umweltauswirkungen anfällt und wo geeignete Verbesserungsmaßnahmen ansetzen können. Ein wichtiges Instrument ist dabei unser „Henkel-Sustainability#Master®“. Herzstück dieses Bewertungssystems ist eine Matrix, die auf den einzelnen Schritten unserer Wertschöpfungsketten sowie unseren sechs Fokusfeldern basiert. So können die Felder mit der größten Nachhaltigkeitsrelevanz aufgezeigt und zwei Produkte oder Prozesse transparent und quantifizierbar verglichen werden.

Auch im Jahr 2013 haben unsere Wissenschaftler mit ihren Innovationen wertvolle Beiträge zum Unternehmenserfolg geleistet. Die folgenden Beispiele zeigen eine Auswahl besonders herausragender Forschungsprojekte:

Laundry & Home Care

  • Weltweite Markteinführung einer neu entwickelten Niedrigtemperatur-Formel mit einer signifikanten Leistungsverbesserung speziell bei 20 und 30 Grad Celsius. Energie- und Materialverbrauch werden speziell durch das vollständig überarbeitete innovative Enzymsystem entscheidend gesenkt.
  • Für die Marke Perwoll Aktiv & Sport wurde die einzigartige und patentierte Re-Fresh-Technologie eingeführt. Im Henkel Fragrance Center eigens dafür entwickelte Duft-Anker-Moleküle setzen Parfümstoffe in Abhängigkeit von zunehmender Feuchtigkeit frei und binden gleichzeitig mögliche Schlechtgerüche. Die mit ihren weiteren Inhaltsstoffen speziell an Funktionstextilien angepasste Rezeptur sorgt so insbesondere bei sportlicher Aktivität für überlegen lang anhaltende Frische.
  • Eine komplett neue Darreichungsform von automatischen Geschirrspülmitteln wurde mit den Gel Tabs in den europäischen Markt eingeführt. Die innovative Multifunktionstechnologie überzeugt durch starke Reinigungsleistung, überragenden Glanz und einfacheres Handling. Ausschlaggebend sind die hervorragend gute Löslichkeit und die schnelle Freisetzung der Aktivsubstanzen, besonders wirksam bei kurzen Spülgängen und niedrigen Temperaturen. Für die Herstellung war die Entwicklung einer vollständig neuen Fertigungstechnologie entscheidend. Der Beitrag zur Nachhaltigkeit liegt insbesondere in der Absenkung des Materialverbrauchs durch eine optimierte Verpackung.

Beauty Care

  • Markteinführung einer innovativen Formulierungsplattform für oxidative Haarcolorationen unter der Marke Igora, die durch „High Definition“-Pigmentmischungen sichtbar verbesserte Färbeeigenschaften für die Salonanwendung erzielen. Für das Markenartikelgeschäft wurde zusammen mit einem führenden Aerosolabfüller die oxidative Haarfarbe Color Ultimate entwickelt, die sehr einfach – ohne separaten Mischschritt – anwendbar und aufgrund der mehrfachen Anwendbarkeit auch ökologisch vorteilhaft ist.
  • Weiterentwicklung der Haarpflegeplattformen für Bonacure und Gliss Kur durch die Keratin-Primer-Technologie, die Haarfasern im Inneren stärkt. Die hohe Wirksamkeit dieser neuen Pflegetechnologie erlaubt die Verringerung konventioneller Pflegestoffe in den Rezepturen und verbessert so den ökologischen Fußabdruck. Unter Syoss wurde erstmalig die Silikon-Laminierungs-Technologie in der Haarpflege eingesetzt, die die Haaroberfläche versiegelt und dadurch für optimalen Glanz des Haares sorgt.
  • Entwicklung neuer, besonders hautverträglicher Formelplattformen für Duschgele, die unter Fa und Dial in Europa und Nordamerika in den Markt eingeführt wurden. Durch intelligente Nutzung von Pflegepolymeren werden tensidische Rohstoffe effizienter genutzt, so dass durch verringerten Kohlendioxid-Fußabdruck auch ökologische Vorteile realisiert werden konnten.

Adhesive Technologies

  • Globale Markteinführung eines neuen zweistufigen Vorbehandlungsprozesses von Multi-Metall-Karosserien vor der Lackierung: Insgesamt wurde diese Vorbehandlung mit der Reduzierung des Chemikalien- und Energieeinsatzes qualitativ und auch ökologisch verbessert. Gleichzeitig entsteht eine wesentlich geringere Menge an Phosphatschlamm, was sich positiv auf die Abfallbilanz auswirkt.
  • Neue lösemittelfreie Montageklebstoffe für Handwerker und Konsumenten mit verbesserter Leistung: Diese Produkte ersetzen lösemittelhaltige Klebstoffe als Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie.
  • Einführung einer neuen Generation von polyurethan- und acrylatbasierten Klebstoffen zur Verklebung von mobilen Endgeräten: Mithilfe neuer, von uns speziell für diese Produkte entwickelter Auftragsgeräte sind unsere Kunden in der Lage, diese Klebstoffe effizienter einzusetzen.

Fritz-Henkel-Preis für Innovation

Jedes Jahr verleihen wir für außergewöhnliche Entwicklungen den „Fritz-Henkel-Preis für Innovation“. Für das Jahr 2013 ging unser Innovationspreis an drei internationale, interdisziplinär zusammengesetzte Projektteams, die neue Ideen verwirklicht und erfolgreich im Markt durchgesetzt haben:

  • Persil Duo-Caps kombiniert die bewährte Leuchtkraft-Formel mit kraftvollem Aktiv-Flecklöser in einer wasserlöslichen Gel-Kapsel mit einzigartiger Zwei-Kammer-Technologie. Die speziell entwickelten Gele in beiden Kammern sind zweifach konzentriert, durch die wasserlösliche Folie voneinander getrennt und verbinden sich erst beim Waschen miteinander. Persil Duo-Caps entfaltet bereits bei niedrigen Temperaturen seine volle Waschleistung für eine perfekt saubere und leuchtend reine Wäsche. Die vordosierte Waschmittelmenge ist leicht zu handhaben und verhindert eine Überdosierung. Pro Waschladung beträgt die Einsparung beim Verpackungsmaterial bis zu 70 Prozent. So leistet Persil Duo-Caps einen Beitrag zur Ressourcenschonung und verkleinert den CO2-Fußabdruck des Produkts um rund 15 Prozent.
  • Syoss Oleo Intense ist die neue kategorieübergreifende Haarcolorations- und -pflegeserie, die eine neue Dimension in Leistung und Pflege bietet: Die Öl-Color-Technologie erlaubt – selbst ammoniakfrei – eine einzigartige Färbeleistung mit außergewöhnlicher Farbintensität, exzellentem Farberhalt und 100 Prozent Grauabdeckung. Darüber hinaus verleihen die Pflegeöle dem Haar überragenden Glanz und Geschmeidigkeit und erfüllen damit das Verbraucherbedürfnis nach Leistung und Pflege. Die Haarpflegeprodukte bieten den Verbrauchern durch eine thermoaktivierte Ölformel täglich Glanz und Geschmeidigkeit.
  • Das halogenfreie Underfi ll-Produkt Loctite UF3808 bietet ausgezeichneten Fall- und Stoßschutz für Elektronikbauteile. Es härtet bei niedrigen Temperaturen schnell aus und reduziert so die Belastung für andere Komponenten. Mit seinen mechanischen Eigenschaften schützt das Material Lötstellen auch unter wechselnden Temperaturen.

Unsere Technologien schützen wir weltweit durch über 7.800 erteilte Patente. Knapp 4.800 Patentanmeldungen befi nden sich im laufenden Erteilungsverfahren. Ergänzend haben wir im Rahmen unseres Designschutzes nahezu 1.600 Geschmacksmuster eintragen lassen.

Weitere Informationen zu unseren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten erhalten Sie im Internet unter: www.henkel.de/innovation